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Neue Rekordwerte - Windkraftanlagen lieferten 2019 so viel Strom wie noch nie Trend setzt sich auch in 2020 fort

Die Stromerzeugung aus Windenergie ist im Jahr 2019 in Deutschland weiter angestiegen und hat einen neuen Leistungsrekord aufgestellt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Anstieg um ca. 15,7 % auf etwa 127 Mio. MWh.

Deutschland erzeugt erstmals mehr Strom aus Windenergie als aus Braunkohle

Die maximal erzeugte Leistung betrug ca. 46.000 MW am 15.03.2019 um 19 Uhr. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein der Energiewende erreicht: Die Windenergie war in Deutschland als einzelne erneuerbare Energieressource erstmals die stärkste Energiequelle im deutschen Strom-Mix und überholte den bisherigen Spitzenreiter Braunkohle.

Grund für die neuen Rekordwerte ist das ungewöhnlich windreiche Jahr 2019. Intensive Tiefdruckgebiete hatten im Frühjahr und im Herbst für überdurchschnittlich viel Windstrom gesorgt. Ende November hatten zudem Ausläufer des ehemaligen Tropensturms "Sebastien" die Windräder besonders kräftig angetrieben.

Das starke Windjahr wirkte sich auch auf die gesamte in Deutschland erzeugte Ökostrom-Menge aus: Bis Ende des Jahres wurden mit ungefähr 237 Mio. MWh ca. 7 % mehr produziert und in die Netze eingespeist als im Vorjahr. Gleichzeitig ging der Anteil der nicht-erneuerbaren Energiequellen um 14 % zurück. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung, d.h. dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, hat sich 2019 von 40,6 % auf 46 % erhöht. Damit liegen die erneuerbaren Energien erstmals auch in der Summe vor den fossilen Energieträgern (40 %). In Zahlen trugen im letzten Jahr die Windenergie 24 %, Braunkohle 20 %, Atom 14 %, Gas 11 %, Steinkohle 9 %, Solarenergie 9 %, Biomasse 9 % und Wasserkraft 4 % zur Nettostromerzeugung in Deutschland bei.

Europa: Windenergie erreichte 2019 zeitweise die Leistung von 100 Atomkraftwerken

Die zunehmende Bedeutung der Wind-Energie zeigt sich auch in Europa: Im Jahr 2019 erreichte die Windkraftleistung in den EU-Staaten wie im Vorjahr wieder zeitweise die Marke von über 100.000 MW.

„Am 13. Januar 2019 kletterte die Windkraftleistung in Europa auf über 102.000 Megawatt. Das entspricht der Leistung von rund 100 Atomkraftwerken“, so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch.

Wie in Deutschland wurde auch in Europa die Windenergie 2019 mit 392 Mio. MWh zur wichtigsten regenerativen Energiequelle. Im EU-Länder-Ranking der Windenergie liegt Deutschland mit 127 Mio. MWh Windstrom auf Platz 1, vor Spanien (52 Mio. MWh), Großbritannien (45 Mio. MWh), Frankreich (33 Mio. MWh) und Italien (20 Mio. MWh).

Windenergie ist weltweit treibende Kraft der Energiewende

Das vergangene Jahr war weltweit laut der World Wind Energy Association (WWEA) mit einer installierten Windkraftleistung von 650,8 GW das drittstärkste Windinstallationsjahr nach 2016 und 2017 mit einer Wachstumsrate von 10,1 %. Alle Windturbinen zusammen können nun mehr als 6 % des weltweiten Strombedarfs decken.

China und die USA zeigten mit 27,5 GW und 9,1 GW an Neuinstallation das stärkste Wachstum seit fünf Jahren. Die meisten europäischen Märkte hingegen haben unter mangelhaften gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Windkraft gelitten. Vor allem in Deutschland, dem ehemals stärksten Markt, ist der Ausbau massiv eingebrochen. In 2019 wurden gerade einmal 2 GW installiert. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es noch 6,2 GW. An den Auktionen der Bundesnetzagentur beteiligen sich nur noch wenige Bieter. Hauptgründe für den weitgehenden Stillstand sind lange Genehmigungsverfahren und zu wenig ausgewiesene Flächen.

Ausbau der Windkraft in Deutschland unabdingbar für das Erreichen der Klimaziele

Die guten Windenergie-Erträge in 2019 sind im Wesentlichen auf gute Windbedingungen zurückzuführen, nicht auf eine Zunahme der installierten Leistung. Für das Jahr 2020 erwarten die Verbände zwar einen Zubau von 1,4 bis 1,8 GW, nach Berechnungen von Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) und VDMA Power Systems müssten aber 4 bis 5 GW aus Windkraftanlagen zugebaut werden, um das erforderliche Ausbauziel von 80 GW Windenergie an Land zu erreichen. Nach dem Willen der Bundesregierung soll der Ökostrom- Anteil bis 2030 auf 65 % gesteigert werden. Ohne einen weiteren konsequenten Ausbau der Windkraft an Land - mit einem Anteil von knapp 25 % an der gesamten Nettostromerzeugung und gut 53 % an der Ökostromerzeugung das Zugpferd der Energiewende - wird dieses Ziel jedoch kaum erreicht werden können.

Eine Trendumkehr in diesem oder im nächsten Jahr kann laut Bundesverband WindEnergie (BWE) nur gelingen, wenn die Bundesregierung die Genehmigungshemmnisse konsequent und schnell abbaut und neue Hindernisse vermeidet. Die notwendigen Schritte zur Stärkung der Windenergie wurden bereits im Oktober 2019 im 18-Punkte-Plan des Bundeswirtschaftsministeriums beschrieben. Die für die Umsetzung erforderlichen Maßnahmen müssten jetzt konkretisiert und umgesetzt werden.

„Um die Ausschreibungsvolumina mit Projekten zu füllen sowie die Ausbau- und Klimaschutzziele zu erreichen, müssen die identifizierten und seit Langem bekannten Genehmigungshemmnisse schnellstmöglich beseitigt und mehr Flächen für Windenergieanlagen ausgewiesen werden“, forderte BWE-Präsident Hermann Albers. „Ohne den Leistungsträger Wind an Land rutscht Deutschland in eine Ökostromlücke. Die Bundesregierung muss jetzt handeln. Die Umsetzung der im Oktober 2019 vorgelegten Aufgabenliste des Bundeswirtschaftsministeriums ist überfällig".

Bruttozuwachs von 11,2 GW bis 2023 - Elf-Punkte-Plan zur Belebung der Windenergie

Potentiell könnte in Deutschland bis 2023 nach Schätzungen von Branchenvertretern ein Bruttozuwachs von 11,2 GW erfolgen. Daher haben die Ministerpräsidenten der fünf nördlichen Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen einen Elf-Punkte-Plan zur Belebung der Windenergie vorgelegt. Sie fordern unter anderem einen starken Ausbau der Windenergienutzung auf See‚ das Ausschöpfen aller möglichen Flächen für Anlagen, die Optimierung des Netzausbaus, die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und die Privilegierung von Bürgerwindparks.

Ein erster positiver Schritt ist die angekündigte Anpassung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen, was zur Vermeidung von Lichtimmissionen und zum Ermöglichen von leiseren sowie höchst effizienten Windenergieanlagen führen soll. Es liegt nun an den Ländern, die Verwaltungsvorschrift final zu verabschieden und damit rechtsverbindlich zu machen. Eine weitere wichtige Stellschraube sind UKW-Drehfunkfeuer, deren überzogene Prüfbereiche an internationale Standards angepasst werden müssen, um derzeit blockierte Flächen kurzfristig verfügbar zu machen.

Positiver Trend bei den Erneuerbaren Energien setzt sich auch in 2020 fort

Im ersten Quartal 2020 deckten die erneuerbaren Energien erstmals sogar mehr als die Hälfte des Bruttoinlandstromverbrauchs ab. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des BDEW. Auf den „Wind-Rekord“ im Februar mit ca. 21 Mio. MWh folgte der März mit außergewöhnlich vielen Sonnenstunden. Der Einspeisevorrang für die erneuerbaren Energien zusammen mit den Ende 2019 erfolgten Stilllegungen konventioneller Kraftwerke führte außerdem zu einer deutlich reduzierten Einspeisung fossiler Energien. So konnten die erneuerbaren Energien in den ersten drei Monaten 2020 ca. 52 % des Stromverbrauchs in Deutschland decken.

„Die Windkraftanlagen haben im Februar so viel Strom erzeugt wie zwei Kernkraftwerke im ganzen Jahr. Das ist sehr erfreulich und legt zusammen mit der Stromerzeugung aus Photovoltaik die Basis, damit der Einsatz konventioneller Energieträger kontinuierlich zurückgeht“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Quellen: Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR), Fraunhofer ISE, World Wind Energy Association (WWEA), Bundesverband WindEnergie (BWE), Erneuerbare Energien, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW)