Startseite Aktuelles reconcept im Interview: Booster für die Solarbranche

„Bis 2030 soll sich die installierte Leistung mehr als verdreifachen – ein Booster für die Solarbranche“ Karsten Reetz, Geschäftsführer der reconcept GmbH im Interview mit den BondGuide-Redakteuren Falko Bozicevic und Michael Fuchs

Sie war lange totgesagt, die Solarenergie in Deutschland – doch seit einiger Zeit hat sich die Lage der Branche gedreht. Gesunkene Kosten, ein höheres Bewusstsein für den Klimawandel und ehrgeizige Ausbauziele der Politik haben die Branche beflügelt. Der rasante Erfolg der Photovoltaik eröffnet ein Marktpotenzial für Projektentwickler wie reconcept sowie nachhaltig-orientierte Investoren. Karsten Reetz, Geschäftsführer der reconcept GmbH, stand Rede und Antwort im Gespräch mit BondGuide über die aktuellen Herausforderungen und Chancen.

BondGuide: Herr Reetz, wie erklärt sich der aktuelle Boom der Solarwirtschaft?

Reetz: Die Ampel hat sich klar für einen Solarausbau positioniert.Bis 2030 soll sich die installierte Leistung mehr als verdreifachen, von 67 auf rund 215 Gigawatt (GW). Bis zu 15 Mrd. EUR pro Jahr könnten so in den Markt fließen. Das ist ein Booster für die Branche: für Hersteller von Solarzellen und Modulen, Projektentwickler und Anlagenbetreiber, aber auch für nachhaltigorientierte Investoren. Solarenergie rechnet sich, insbesondere Photovoltaik – sie gehört heute zu den günstigsten Erneuerbare-Energien-Technologien. Dank technologischer Entwicklung sanken die Kosten für Solarmodule deutlich. IRENA, die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht regelmäßig einen 10-Jahresrückblick zu den Gestehungskosten. Danach sind die Kosten in der Photovoltaik zuletzt um 82 Prozent gesunken! Die technologischen Entwicklungen sind heute noch lange nicht abgeschlossen; es ist also damit zu rechnen, dass die Stromentstehungskosten für Photovoltaik künftig noch weiter sinken werden.

BondGuide: Besteht beim Photovoltaikausbau nicht allmählich ein Flächenmangel in Deutschland?

Reetz: Die Frage ist nicht, ob wir zu wenig Flächen bundesweit für Solarparks haben, sondern wie wir schnellstmöglich das Flächenpotenzial ausschöpfen. Derzeit haben wir rund 67 GWp Solarenergie installiert. Ab sofort müssten somit jedes Jahr 22 GWp hinzugebaut werden, um das Ziel von 215 GWp zu erreichen. Für eine zuverlässige grüne Energieversorgung braucht es daher große Solarparks.

BondGuide: Das neue EEG 2023 hat da Richtungsweisendes bewegt.

Reetz: Das EEG 2023 ebnet tatsächlich mit größeren Ausschreibungsmengen und höheren Vergütungssätzen für PV-Dach- und Freiflächenanlagen den Weg. Das ist gut so, doch gleichzeitig gelten aktuell noch sehr weitreichende gesetzliche Beschränkungen für mögliche Solarparkstandorte. Im EEG sind genau definierte Flächenkulissen vorgegeben, in denen PV-Anlagen förderungsfähig sind. Das EEG zählt dazu allein die Realisierung von PV-Freiflächenanlagen auf Verkehrsrandstreifen, Konversionsflächen und ausgewählten benachteiligten Gebieten. Das wird nicht reichen.

BondGuide: Agri-Photovoltaik gilt als neue Lösung im Konflikt zwischen Landwirtschaft und Solarenergie. Wie stehen Sie dazu?

Reetz: Wenn wir unsere Ausbau- und Klimaschutzziele erreichen wollen, werden wir um Standorte auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht herumkommen. Agri-Photovoltaik kann hierfür die passende Lösung sein. Also die intelligente Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik. Pilotstudien haben gezeigt, dass Kartoffeln, Weizen, aber auch Beerenobst und Äpfel gut unter einer Agri-PV-Anlage gedeihen. Unter Agri-PV kommt zwar weniger Licht bei den Pflanzen an. Aber es kann von Vorteil sein, wenn es trockener wird, weil mehr Feuchtigkeit darunter bleibt. Auch in unseren Breitengraden kann dies helfen, werden unsere Sommer doch zunehmend trockener.

BondGuide: Wie steht es um die Akzeptanz in der Bevölkerung, den Gemeinden und Kommunen, deren Einverständnis man benötigt, um die geeigneten Flächen für PV-Anlagen nutzen zu können?

Reetz: Wir erleben in unseren Gesprächen mit Gemeinden und Bürgern ein großes Interesse an dem Thema und eine grundsätzliche Offenheit für neue Solarparks. Natürlich kann man nicht jeden in einem Ort für die Installation einer Freiflächenanlage gewinnen, doch die klaren Vorteile für Gemeinden wie Bürger machen Solarparks attraktiv und fördern auch die Akzeptanz für neue PV-Projekte. Zudem haben die steigenden Energiekosten und auch die durch den Ukrainekrieg offensichtlich gewordene Abhängigkeit von Russland einen starken Einfluss auf die Akzeptanz von erneuerbaren Energien.

BondGuide: Wie können PV-Anlagen Mehrwerte für die Gemeinden, Kommunen, Bürger schaffen?

Reetz: Photovoltaik-Freiflächenanlagen bzw. deren Betreibergesellschaften sind steuerpflichtige Unternehmen. Gemeinden erhalten somit zuverlässige, jährliche Gewerbesteuereinnahmen. Zudem können Gemeinden nach EEG 23 an jeder eingespeisten Kilowattstunde Solarstrom in Höhe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde mitverdienen. Da kommen je Solarpark Jahr für Jahr schnell fünf- oder sechsstellige Eurobeträge zusammen – auf die gesamte Projektlaufzeit gerechnet befinden wir uns im Millionenbereich. Solche Mehreinnahmen können für neue kommunale Projekte eingesetzt werden, für die ansonsten das Gemeindebudget nicht ausreichen würde. Solarparks verleihen einer Gemeinde zudem eine klimafreundliche Aufstellung. Dieses grüne Image lässt sich erfolgsversprechend in die Standort-Vermarktung einbeziehen. Auch einzelne ortsansässige Firmen können profitieren. reconcept bindet, wo immer möglich, Unternehmen vor Ort mit ein – beim Bau des Projekts, im laufenden Betrieb, bei der Instandhaltung bis hin zum Rückbau. Und während der Projektumsetzung profitiert zudem das regionale Gastgewerbe.

BondGuide: Stichwort Nachhaltigkeit – ist der Konflikt mit der Natur eigentlich auch bei PV-Parks immanent?

Reetz: Keineswegs. Es kommt auf eine gute Planung an: Zum Beispiel kann durch gezielte naturverträgliche Begrünung und Umzäunung durch Hecken und Buschwerk die Bodenbeschaffenheit gefördert werden. Insbesondere Flächen, die über lange Zeit intensiv genutzt wurden, können sich durch neue Blühflächen und Gehölzanpflanzungen regenerieren. Die Extensivierung der Bodenbearbeitung führt relativ rasch zu einer Zuwanderung von Insekten und einer steigenden Pflanzenvielfalt. Zudem entstehen neue Brut- und Rastplätze für Vögel – u. a. für inzwischen gefährdete Arten wie die bodenbrütende Feldlerche oder der inzwischen immer seltener werdende Neuntöter. Auch eine gut gemanagte Schafbeweidung zwischen den Paneelen kann ein Instrument zur Entwicklung der biologischen Vielfalt sein. Ein intakter Boden ist nicht nur von Vorteil für die Pflanzen- und Tierwelt: Er kann auch überschüssiges Regenwasser aufnehmen und angrenzende Flächen vor Hochwassern schützen. Während der Bauarbeiten sind Eingriffe in die Natur zumeist nicht zu vermeiden; doch auch hier kann vorsorglich agiert werden; beispielsweise können Bodenmatten zum Einsatz kommen, um einer Bodenverdichtung durch schwere Fahrzeuge zu verringern.

BondGuide: reconcept blickt auf eine inzwischen 25-jährige Erfahrung am Markt für grüne Geldanlagen zurück. Mit Ihrer jüngsten Neuemission haben Sie die Projektfinanzierungsanleihe Solar Bond Deutschland (ISIN: DE000A30VVF3) platziert – wie zufrieden waren Sie mit der Nachfrage?

Reetz: In der Tat sehr zu frieden. Über KG-Beteiligungen haben wir in der Vergangenheit rund 240 Erneuerbare-Energien-Anlagen finanziert. Seit 2020 liegt unser Emissionsfokus auf Green Bonds, die sich nach wie vor einer hohen Investorennachfrage erfreuen. Beim Solar Bond Deutschland waren wir aber tatsächlich selber von der rasanten Platzierung überrascht. Das Emissionsvolumen von 10 Mio. EUR konnte wenige Wochen nach Vertriebsauftakt bereits erreicht werden, sodass das Volumen der 6,75%-Projektanleihe um weitere 25% auf final 12,5 Mio. EUR aufgestockt werden konnte. Rund 800 Anleger haben das Wertpapier gezeichnet.

BondGuide: Und nun haben Sie jüngst den zweiten Solar Bond emittiert. In was investiert die Anleihe dieses Mal?

Reetz: Wir setzen die erfolgreiche Strategie unseres ersten Solar Bonds fort. Mit dem reconcept Solar Bond Deutschland II haben wir erneut die Projektentwicklung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Fokus der Investitionen. Das Anleihekapital finanziert vor allem den Kauf von Projektrechten zur Entwicklung von neuen Solarparks. Um noch umfassender an der Wertschöpfungskette von Photovoltaik teilzuhaben, planen wir zudem, uns an Projektentwicklungsgesellschaften sowie an Unternehmen der Solarwirtschaft – etwa im Bereich von Wartungs- und Betriebsführungsdienstleistungen – zu beteiligen bzw. diese zu übernehmen. Auch hierfür dient das Anleihekapital. Der reconcept Solar Bond Deutschland II verzinst das Anlegerkapital mit 6,75 % Zinsen p.a. über sechs Jahre.

Über reconcept

 Die inhabergeführte reconcept Gruppe verbindet seit 25 Jahren Erneuerbare Energien und Investoren. Mit ihrer Doppelfunktion als Emissionshaus Grüner Geldanlagen und Projektentwickler im Bereich Erneuerbare Energien ist sie erfolgreich in einem dynamischen Wachstumsumfeld unterwegs.

Gemeinsam mit mehr als 16.000 Anlegern konnten seit 1998 über 240 Erneuerbare-Energien-Anlagen (Wind-, Solar-, Wasser- und Gezeitenkraft) im In- und Ausland mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 390 Megawatt und einem Investitionsvolumen von ca. 609 Mio. Euro realisiert werden.

Quelle: reconcept, BondGuide-Jahresspecial „Green & Sustainable Finance 2023“ - Juni 2023

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