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RE13 Meeresenergie Kanada - Bau des Gezeitenkraftwerkes FORCE 1 hat begonnen Arbeiten laufen unverändert nach Plan

Gezeitenkraft als erneuerbare Energiequelle

Während Wind- und Solarkraftwerke vom Wetter abhängen, sind Gezeitenkraftwerke jederzeit in der Lage regenerativ erzeugten Strom zu liefern. Und das zuverlässig und berechenbar, solange der Mond um die Erde kreist.

Die besten Voraussetzungen für die Stromgewinnung aus Ebbe und Flut bietet die Bay of Fundy in der Region Nova Scotia in Kanada mit dem weltweit höchsten Tidenhub von über 13 Metern. Dabei werden durch Ebbe und Flut Strömungsgeschwindigkeiten von rund fünf Metern pro Sekunde erreicht.

„Für Gezeitentechnologie könnte es keinen besseren Standort geben“, erklärt Karsten Reetz, Geschäftsführer von reconcept, die das Projekt zusammen mit der Schottel Gruppe aus Spay am Rhein realisieren.

Innovatives Konzept ohne Staumauer

Geplant ist ein schwimmendes Gezeitenkraftwerk – FORCE 1 – aus drei Plattformen mit jeweils sechs steuerbaren Unterwasserturbinen. FORCE 1 nutzt dabei nicht den Tidenhub direkt, sondern die durch die Gezeiten verursachte Meeresströmung, deren Bewegungsenergie direkt an die Turbinen abgegeben wird.

Durch die Verankerung der Plattformen über ein Drehgelenk am Meeresboden können sich die frei in der Strömung stehenden Turbinen selbstständig nach der wechselnden Strömungsrichtung ausrichten und so eine kontinuierliche Stromerzeugung ermöglichen. Tragarme schwenken die Turbinen in Position und halten sie auch dort. Für Inspektions- oder Wartungsarbeiten können die Turbinen einzeln aus dem Wasser gehoben werden, so dass es nur zu kurzfristigen Betriebsunterbrechungen kommt. Diese schwenkbaren Turbinenausleger sind in der Branche einzigartig.

Das verwendete Trimaran-Design der Plattformen sorgt für einen geringen Widerstand und eine sehr gute Seiten- und Längsstabilität der gesamten Anlage. Außerdem können die Turbinen so nahe der Wasseroberfläche in der energiereichen Schicht der Wassersäule betrieben und eine optimale Energieausbeute sichergestellt werden.

Der große Vorteil dieser freistehenden Anlage ist, dass es kaum Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen gibt: Das Strömungs-Gezeitenkraftwerk kommt ganz ohne Staudamm aus; das Design ist darauf ausgerichtet, den Lebensraum der Meerestiere zu schützen; und die Unterwassergeräusche der Turbinen sind so optimiert, dass die Meerestiere frühzeitig gewarnt sind und die Position des Kraftwerks umschwimmen können.

Aktueller Baufortschritt: Die Gezeitenplattform nimmt Gestalt an

Die Bestellung der wichtigsten Komponenten von FORCE 1 ist noch im Dezember 2019 erfolgt: Drei Trimaran-Schwimmkörper, Schottel-Turbinen mit je 70 kW Nennleistung und 4 Meter Rotordurchmesser sowie die zugehörige Elektrotechnik. Die Komponenten werden alle in Deutschland hergestellt und dann nach Kanada gebracht.

Die Kabel für den Abtransport des Gezeitenstroms liegen bereits auf dem Boden der Meeresbucht, und das benötigte Umspannwerk an Land ist betriebsbereit. Ein Stromliefervertrag mit einer garantierten Vergütung über 15 Jahre ab Inbetriebnahme wurde bereits abgeschlossen.

Die Arbeiten an FORCE 1 laufen unverändert seit Anfang 2020 und liegen voll im Plan. Mittlerweile wurden zwei Pontons nahezu fertiggestellt. Ende Februar 2020 wurde auf einer Werft in Stralsund das sogenannte Steel cutting für die Schwimmelemente der ersten Plattform abgeschlossen. Auch die Gussformen für die Turbinen-Propeller sind bereits gefertigt.

Der Zeitplan im Überblick

Die erste Plattform soll im September 2020 fertig montiert sein und anschließend am geplanten Standort in der Minas-Passage positioniert werden. Die anderen beiden Plattformen sollen im Februar und März 2021 folgen. Nach Abschluss der Installationsarbeiten kann dann am 1. Juni 2021 die Testphase beginnen. Bis zum 1. August 2021 soll das Gezeitenkraftwerk FORCE 1 voll funktionsfähig in Betrieb genommen und an das Stromnetz angeschlossen sein. Mit der Nennleistung der Turbinen von insgesamt 1,26 MW wird ein jährlicher Nettoertrag von 4.915 MWh prognostiziert.

Im Anschluss an FORCE 1 plant Schottel weitere schwimmende Gezeitenkraftwerke im Minas-Becken in Betrieb zu nehmen, um eine Gesamtleistung von bis zu 9 MW zu erreichen.

Quelle: reconcept GmbH
Bild: reconcept GmbH

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