Startseite Aktuelles Grüner Wasserstoff - ENERTRAG mit Reallabor-Projekt dabei

ENERTRAG-Projektkonsortium erhält Förderung als "Reallabor für die Energiewende" „Referenzkraftwerk Lausitz“ geht in erste Phase der Realisierung

Das „Referenzkraftwerk Lausitz“, an dem die ENERTRAG AG im Rahmen eines Projektkonsortiums beteiligt ist, wurde im Sommer 2019 als einer von zwanzig Gewinnern im ersten Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ ausgewählt und erhält in den kommenden Jahren eine staatliche Förderung in Millionenhöhe. Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung durch alle Partner geht das Projekt jetzt in die erste Phase.

"Reallabore der Energiewende“: zukunftsfähige Energietechnologien im realen Praxisbetrieb erproben

"Reallabore der Energiewende“ sind eine neue Fördersäule im Energieforschungsprogramm der Bundesregierung. In Reallaboren erproben Unternehmen im industriellen Maßstab in einer Modellregion für einen bestimmten Zeitraum den realen Praxisbetrieb von neuen, zukunftsfähigen Energietechnologien. Sie analysieren gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung die Wechselwirkungen mit dem bestehenden Energiesystem und der Gesellschaft. Auf diese Weise werden wertvolle Erfahrungen gesammelt, um den Transfer von Innovationen in die Praxis zu beschleunigen. Die Reallabore überbrücken somit die schwierige Phase zwischen Technologieentwicklung und Marktdurchdringung.

Schwerpunkt insbesondere auf Wasserstofftechnologien

Mit dem ersten Ideenwettbewerb "Reallabore der Energiewende" hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi ) Fördermittel in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr zwischen 2019 und 2022 ausgeschrieben. Die Förderung kann maximal 5 Jahre betragen und umfasst die Planungs- und Errichtungsphase sowie eine 1- bis 3-jährige Testbetrieb-/Monitoringphase. Zentrales Thema des Ideenwettbewerbs waren Lösungsansätze zur Senkung des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes. Deshalb lag der inhaltliche Schwerpunkt bei der Ausschreibung auf energieoptimierten Stadtquartieren, großskaligen Stromspeichern und insbesondere auch auf Wasserstofftechnologien.

BMWi prämiert „Referenzkraftwerk Lausitz“ von ENERTRAG- Konsortium

Die Resonanz auf diesen ersten Ideenwettbewerb hat die Erwartungen weit übertroffen. Insgesamt 90 Vorschläge von Forschungskonsortien mit über 500 Partnern aus Industrie und Forschung wurden eingereicht. Insgesamt prämierte das BMWi bundesweit 20 Konsortien, darunter auch das „Referenzkraftwerk Lausitz“, an dem die ENERTRAG AG als investierender Partner beteiligt ist. Das Speicherkraftwerk auf Wasserstoffbasis soll wegweisend für die Energieversorgung der Zukunft sein.

Multitalent Wasserstoff: enormes Potenzial für die Energiewende und den Klimaschutz

Das farb- und geruchlose Gas Wasserstoff kann aus Wasser mittels Elektrolyse auf Basis von Strom aus Windkraft- oder Photovoltaikanlagen produziert werden. Seine Nutzung bedeutet daher keine oder nur sehr geringe Treibhausgas-Emissionen.
Durch die Erzeugung und Speicherung von Wasserstoff kann die schwankende Verfügbarkeit von regenerativ erzeugtem Strom verstetigt werden, es können große Energiemengen auch über lange Zeiträume gespeichert und über große Entfernungen transportiert werden. Außerdem kann der Wasserstoff zum Kühlen von Generatoren in Kraftwerken oder als Treibstoff in Autos mit Brennstoffzellenantrieb eingesetzt werden. Darüber hinaus kann er zu CO2-neutralem Erdgas und vielen chemischen Produkten weiterverarbeitet werden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen müssen angepasst werden

Um einen Markt für grünen Wasserstoff aufzubauen, müssen jedoch auch die regulatorischen Rahmenbedingungen geändert werden.

„Grüner Wasserstoff darf gegenüber konventionellen Energieträgern nicht benachteiligt werden. Daher sollte eine regulatorische Innovationsregion eingerichtet werden, damit Fördermittel nicht gegen rechtliche oder bürokratische Hürden anlaufen und somit ineffizient eingesetzt werden“, so Simon Schäfer-Stradowsky, Geschäftsführer des Instituts für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM).

Im Zuge dessen müssen Umlagen und Steuern auf Strom und Elektrolyseure umgedacht werden.

„Wir müssen solche Lösungen bevorzugen, die im Sinne der Energiewende sind. Klimafreundliches muss attraktiver als klimaschädliches Wirtschaften sein“, so Simon Müller, Leiter für den Bereich Energiesysteme bei ENERTRAG.

Die Ergebnisse der Reallabore werden daher auch zeigen, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden müssen, damit Geschäftsmodelle langfristig wettbewerbsfähig sein können.

 

„Referenzkraftwerk Lausitz“

Energiewende im Einklang mit Strukturwandel

Die Lausitz als Kraftwerks- und Industriestandort steht im Zuge des Kohleausstiegs vor besonderen strukturellen Herausforderungen und treibt daher den Strukturwandel mit innovativen Konzepten voran, um den Energiestandort durch technologischen Wandel zu erneuern und langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Ein Pilotprojekt, das die Potenziale der Energiewende für den Strukturwandel mit im Fokus hat, ist das prämierte Reallabor "Referenzkraftwerk Lausitz".

„Endlich werden nicht nur Überschriften produziert und Konferenzen veranstaltet, sondern damit begonnen, greifbare Realitäten für den Strukturwandel aufzubauen", kommentierte Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier den Zuschlag für das neue Kraftwerksprojekt.

Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung für das Projekt "Referenzkraftwerk Lausitz Phase I" durch das Konsortium um ENERTRAG und die weiteren Hauptpartner Zweckverband „Industriepark Schwarze Pumpe" Spremberg, Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) Cottbus und Energiequelle GmbH können nun Schlüsseltechnologien der Energieversorgung mit erneuerbaren Energien und Wasserstoff als chemischem Speicher in der Praxis erprobt und der Umbau zu einer CO2-neutralen, sektorübergreifenden Energieversorgung beschleunigt werden.

„Das Referenzkraftwerk Lausitz beinhaltet das strategische Ziel, die künftige Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energieträger und Wasserstoff als chemischen Speicher am Industriestandort Schwarze Pumpe abzubilden", so der Partner Energiequelle GmbH.

Dabei sollen alle notwendigen Dienstleistungen für eine gesicherte Stromversorgung jederzeit erbracht werden können. Der Wasserstoff soll abhängig von der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien automatisch ein- oder ausgespeichert werden. Gleichzeitig soll das Speicherkraftwerk im Fall eines Blackouts durch Rückverstromung des Wasserstoffs zum Wiederaufbau des Netzes herangezogen werden.

Bis 2030 soll Speicherkraftwerk mit einer Leistung von 100 Megawatt realisiert werden

Das Speicherkraftwerk soll in mehreren Phasen realisiert werden. In der ersten Phase wird die Musteranlage in Schwarze Pumpe eine Leistung von zehn Megawatt haben, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Bis 2030 ist eine schrittweise Hochskalierung des Kraftwerks auf 100 Megawatt vorgesehen. Im ersten Halbiahr 2020 soll der genaue Standort für das Referenzkraftwerk festgelegt werden und 2022 die Planung beendet sein. 2023 bis 2024 wird das Kraftwerk errichtet, 2025 ist die Inbetriebnahme avisiert. Bis 2030 erfolgen diverse Prüfungen auf Marktfähigkeit und zur Technologieanpassung. In der Testphase sollen bereits 600 bis 800 Arbeitsplätze entstehen. Zudem will ENERTRAG mit den beteiligten Partnern gesetzliche und regulatorische Hürden, die einen wirtschaftlichen Betrieb bei der Kombination der verschiedenen Technologien erschweren, identifizieren und durch konkrete Anpassungen des regulatorischen Rahmens abbauen. 

Die Gesamtinvestitionen schätzen die Projektteilnehmer auf rund 100 Millionen Euro, wobei 75 bis 80 Millionen durch die Förderung des Bundes gedeckt werden. Hinzukommen können einmalig weitere Fördergelder speziell für Reallabore in vom Strukturwandel betroffenen Regionen.

Das prämierte „Referenzkraftwerk Lausitz“ (RefLau) auf einen Blick:

• Thema: Sektorkopplung und Wasserstofftechnologien
• Land: Brandenburg
• Fokus: 10-Megawatt-PEM-Elektrolyse, 500 MWh Wasserstoffspeicher, 7,9 MW Gasturbine, 2 MW Superkondensator, 2 MW Li-Batterie und 2 MW Brennstoffzelle
• Konsortialführer: Zweckverband „Industriepark Schwarze Pumpe“ Spremberg

ENERTRAG: Pionierin in Sachen Wasserstoff-Kraftwerke

ENERTRAG betrachtet Wasserstoff als zentralen Teil der sauberen Energieversorgung von morgen und bringt als investierender Partner des Konsortiums sein langjähriges Know-how aus mehr als 20 Jahren Planung, Umsetzung, Finanzierung und Betrieb von Erneuerbaren und Wasserstoff-Kraftwerken in das Projekt mit ein. Mit seinem Hybridkraftwerk in der Uckermark erzeugt ENERTRAG bereits seit 2011 erfolgreich Wasserstoff aus 100 Prozent Windstrom - komplett ohne CO2-Emissionen. Dieser „grüne“ Wasserstoff wird unter anderem zu Heizzwecken, zur Betankung von PKWs und Bussen und in industriellen Prozessen eingesetzt sowie zur Versorgung von Brennstoffzellen in Notstromversorgungseinheiten verwendet.

 

Quelle: IWR Online, BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ENERGIE, Januar 2020

Bild: copyright ENERTRAG AG