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Kohleausstieg und Divestment Klimapolitisch notwendig, energiewirtschaftlich sinnvoll, technisch und wirtschaftlich machbar.

Nach wie vor ist Braun- und Steinkohle in Deutschland der wichtigste Energieträger in der Stromerzeugung. Deutschlands Klimaschutzziele können jedoch nur erreicht werden, wenn die Kohleverstromung gesenkt und langfristig beendet wird.

Mit dem Klimaschutzplan 2050 hat sich die Bundesregierung im November 2016 konkrete Sektorziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 gesetzt. Seit acht Jahren sind die Treibhausemissionen jedoch nicht nennenswert gesunken. Dies gilt auch für den Elektrizitätssektor, denn die Kohleverstromung verharrt – trotz steigendem Anteil erneuerbarer Energien – auf konstant hohem Niveau.

Kohleausstieg ist klimapolitisch notwendig

Laut den Ergebnissen des jetzt veröffentlichten "Kohlereaders"- einer gemeinsamen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin), des Ecologic Instituts gGmbH und des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH - sind die deutschen Kohlekraftwerke für knapp 40 % des erzeugten Stromes und gleichzeitig aber auch für ca. 80 % der CO2-Emissionen des Stromsektors verantwortlich.

"Um die Ziele aus dem Klimaschutzplan der Bundesregierung aus 2016 einzuhalten, muss und kann eine deutliche Reduzierung der Kohleverstromung einen entscheidenden Beitrag leisten und es ist mittelfristig ein vollständiger Kohleausstieg erforderlich", sagt Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW Berlin.

Der Klimaschutzplan sieht für die Energiewirtschaft bis zum Jahr 2030 eine Minderung der CO2-Emissionen von 60 % bis 62 % gegenüber 1990 vor. Wie der Kohleausstieg in seinen verschiedenen Facetten gelingen kann, wird im „Kohlereader“ zusammengefasst. Die Analyse zeigt, dass die Steuerbarkeit des Transformationsprozesses für alle Akteure am höchsten ist, wenn Kohlekraftwerke nach einer festgelegten Reihenfolge stillgelegt werden. 

"Wenn man die vorliegenden Forschungsergebnisse zusammen betrachtet, dann ist ein Ausstieg aus der Kohleverstromung aber nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch energiewirtschaftlich sinnvoll und technisch und wirtschaftlich machbar", ergänzt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts.

Die Studien- und Forschungslage zeigt auch, dass die für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung notwendigen Technologien heute vorhanden sind beziehungsweise deren Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass sie rechtzeitig zum Einsatz kommen können. Zudem liegen bereits heute die Kosten für Wind- und Solarstrom in etwa gleich auf oder sogar unter denen aus neuen fossilen Kraftwerken. Auch die Verfügbarkeit von Energiespeichern stellt keinen Engpass mehr für den Kohleausstieg dar. Weiterhin könne eine Reduzierung der Kohleverstromung an einigen Stellen zu einer deutlichen Entlastung der Netzsituation führen.

Der Kohleausstieg ist ein Motor für nachhaltige Investitionen

Durch einen Kohleausstieg in Deutschland würden notwendige Investitionen in den Bereichen Nachfragemanagement, Speicher, Power-to-X-Anwendungen und Effizienztechnologien angereizt werden. Darüber hinaus muss der Strukturwandel von Kohleabbauregionen aktiv gestaltet werden, um attraktive Lebensbedingungen zu schaffen; Investitionen in zukunftsfähige Arbeitsplätze und Infrastruktur sind die Folge.

"Ein anderer zentraler Befund ist, dass der Nutzen eines Kohleausstiegs bei weitem die Kosten übersteigt - auch, weil der Kohleausstieg neue wirtschaftliche Chancen eröffnet", so Prof. Dr. Claudia Kempfert.

Divestment aus Kohle, Re-Investment nach ökologischen Kriterien Die Öl-, Gas- und Kohleindustrie verliert an gesellschaftlicher Akzeptanz.

Die global agierende Divestment Bewegung fordert öffentliche Institutionen wie Städte, Bundesländer, Kirchen, Universitäten und Banken auf, ihre Einlagen aus Unternehmen, die noch in Energieerzeugung aus Kohle, Gas und Öl investieren, abzuziehen und in nachhaltige Sektoren zu (re-)investieren. Übergreifendes Ziel ist die Begrenzung der globalen Erderwärmung auf max. 2°C, um die auf der Pariser Klimakonferenz festgelegten Weltklimaziele erreichen zu können. Insgesamt haben weltweit ca. 1.000 Institutionen bislang deutlich mehr als sechs Billionen Dollar von Unternehmen abgezogen, die Geschäfte mit fossilen Energien machen.

Von New York bis Berlin ziehen Städte, Universitäten und Kirchen ihre Gelder ab

Städte wie New York City, San Francisco, Sydney, Melbourne, Berlin, Bremen, Münster, Freiburg, Oslo, Kopenhagen, Stockholm, Paris und viele andere haben sich zum umfassenden Divestment verpflichtet. Vor wenigen Wochen hat auch Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, seine Absicht bestätigt, den Pensionsfonds der Stadt zu divestieren. Die Universitäten von Edinburgh, Sussex, Bristol und die Glasgow Caledonian University machen mit. Die Universität Münster hat sich als erste Hochschule Deutschlands zum Divestment entschlossen. Kürzlich hat zudem die Universität Göttingen beschlossen, ihr Vermögen in Höhe von 190 Millionen Euro aus den fossilen Unternehmen abzuziehen. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg sowie die Church of Sweden, die Handelskammer Hamburg und der dänische Pensionsfonds für Akademiker, MP Pension, sind ebenfalls dabei.

Irland bekennt sich als erstes Land weltweit zum Divestment und sendet damit eine klare Botschaft an die ganze Welt

Im Juli 2018 beschloss Irland als erster Staat der Welt sich aus der Finanzierung fossiler Energien zurückzuziehen. Für ein entsprechendes Gesetz votierte das Unterhaus des irischen Parlaments in Dublin mit der Unterstützung aller Parteien.

„Das Gesetz ist sowohl substanziell als auch symbolisch“, erklärte Éamonn Meehan, Chef von Trócaire, der katholischen Entwicklungshilfeagentur für Übersee. „Es verhindert, dass öffentliches Geld entgegen dem öffentlichen Interesse investiert wird, und es sendet eine klare Botschaft an das Land und die ganze Welt, dass wir dringend mehr gegen die Klimakrise tun müssen, angefangen beim Ausstieg aus den fossilen Energien.“

Das Gesetz verpflichtet demnach den acht Milliarden Euro schweren Staatsfonds, den Irish Strategic Investment Fund, seine Investitionen in Kohle, Öl und Gas innerhalb der kommenden fünf Jahre aufzugeben. Das betrifft 318 Millionen Euro, die der Fonds auf 150 Unternehmen aus aller Welt verteilt hat. Klimaschützer feiern den Schritt als historisches Ereignis.

„Irlands Entscheidung ist ein bedeutender Sieg für die weltweite Divestment-Kampagne“, sagte Nicolò Wojewoda, Leiter der Klimaschutzorganisation 350.org in Europa. So ist laut Wojewoda Irlands Schritt ein „klares Signal dafür, dass der Bruch mit den fossilen Energiekonzernen zur neuen Norm wird“.

Auch als Privatanleger durch Divestment Einfluss nehmen

Mit jeder einzelnen Divestment-Zusage wird den Energiekonzernen die finanzielle Unterstützung entzogen. Auch die jahrzehntelange soziale Akzeptanz der Kohle-, Öl- und Gasindustrie wird dadurch geschwächt. Neben großen Institutionen schließen sich auch zunehmend mehr Privatpersonen der Divestment-Bewegung an. Denn um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen auf allen Ebenen Investitionen in klimaschädliche Anlagen beendet werden. 

 

Quellen: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, the Guardian, www.gofossilfree.org, ECOreporter - Magazin für nachhaltige Geldanlagen