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Das Ökosystem Wald als Klimaretter Naturnahe Forstkonzepte und nachhaltige Forstwirtschaft

Jährlich werden weltweit über elf Millionen Hektar Naturwald durch illegale Abholzung, Brandrodung oder Umwandlung in Agrarland zerstört. Besonders dramatisch ist der Rückgang der wertvollen Urwälder: Eine Studie des WWF aus dem Jahr 2020 zeigt, dass etwa zwei Drittel der globalen Entwaldung auf tropische und subtropische Waldflächen entfallen. Die derzeitige rapide Zerstörung großer Waldflächen durch den Menschen trägt maßgeblich zum Klimawandel bei, denn Wälder haben nach den Ozeanen den größten Einfluss auf das lokale und globale Klima.

Vor allem die hochkomplexen Ökosysteme alter, naturnaher Wälder steuern durch Verdunstung die Wasserkreisläufe sowie die Bildung von Grundwasser und gleichen tägliche und jahreszeitliche Temperaturschwankungen aus. Sie entziehen der Atmosphäre CO2, indem sie dieses bei der Photosynthese aufnehmen und unter Abgabe von Sauerstoff in ihrer Biomasse speichern. Die Tropenwälder, die großen Nadelwaldregionen in Russland und Kanada und auch die Wälder in Europa sind damit global die wirksamste Kohlendioxidsenke und maßgebliche Produzenten von Sauerstoff. Außerdem findet sich in den Wäldern die größte Artenvielfalt der Erde. Sie beherbergen über 80 Prozent aller Amphibienarten, 75 Prozent der Vogelarten sowie 60 Prozent der Säugetierarten. Rund 25 Prozent der Weltbevölkerung sind für ihren Lebensunterhalt auf den Wald angewiesen.

Wälder stabiliseren das Klima

Zusammenhängende Waldflächen funktionieren wie eine natürliche Klimaanlage. Damit beeinflussen sie sowohl das Klima in ihrer direkten Umgebung als auch das globale Klima.

Durch die geringere Sonneneinstrahlung unter den Kronendächern, die Abkühlung der Temperatur infolge von Verdunstung und die damit erhöhte Luftfeuchtigkeit können Wälder Temperaturschwankungen in ihrer Umgebung ausgleichen. Im Sommer sind die Temperaturen im Wald um 3 bis 6 °C niedriger als auf offenen Flächen und sogar 4 bis 8 °C niedriger als in Städten. Diese Temperaturunterschiede bewirken eine stärkere Luftzirkulation, wodurch die qualitativ bessere und kühlere Waldluft auch in Siedlungsgebiete gelangt und deren Umgebungstemperatur abkühlt.

Tropenwälder wirken sich darüber hinaus auch noch kühlend auf das globale Klima aus. Wie riesige Luftbefeuchter entziehen sie dem Boden Wasser und geben es über ihre Blätter wieder ab, was zur Kühlung der Umgebung beiträgt. Außerdem schafft diese Transpiration die richtigen Bedingungen zur Bildung von Wolken, die das Sonnenlicht reflektieren und die Umgebung weiter abkühlen können. Durch die Freisetzung von organischen Verbindungen, die mit anderen Chemikalien in der Atmosphäre reagieren, kommt es ebenfalls zu einem kühlenden Effekt oder zu einer verstärkten Bildung von Wolken. Umweltwissenschaftler der University of Virginia fanden heraus, dass tropische Wälder die Erde um ein ganzes Grad Celsius abkühlen können.

Wälder sind gigantische Kohlenstoffspeicher

Wälder sind mit Abstand die größten Kohlenstoffsenken an Land. Sie bedecken ca. 30 Prozent der Landoberfläche, speichern aber etwa 50 Prozent des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs. Zusammen mit den weiteren Kohlenstoffmengen, die in den Waldböden gespeichert sind, übersteigt dies sogar die Menge des Kohlenstoffs in der Atmosphäre.

Wälder nehmen weltweit jährlich 7,6 Milliarden Tonnen CO2 bei der Photosynthese auf und speichern den Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Im Gegenzug setzen sie Sauerstoff frei. Wie viel umgesetzt wird, ist abhängig von der Art und dem Alter der Bäume, dem vorherrschenden Klima und der Dauer der Vegetationszeit. Tropische Regenwälder sind dabei von besonderer Bedeutung, denn sie wachsen das ganze Jahr ohne Ruhephase und können so aufgrund des hohen Biomasse-Vorrats 50 Prozent mehr Kohlenstoff speichern als Wälder außerhalb der Tropen.

Aufforstung, Wiederaufforstung oder Rekultivierung besonders der tropischen Wälder sind daher wirksame Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel. Ziel einer 2011 gestarteten internationalen Initiative zur Wiederherstellung von Wäldern und waldreichen Landschaften („Bonn Challenge“) ist daher, bis 2030 mindestens 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Landfläche wiederaufzubauen.

Nachhaltige Forstwirtschaft

Ob bewirtschaftete Wälder jedoch Kohlenstoffquellen oder -senken sind, hängt davon ab, wie sie bewirtschaftet werden – wie viel Zeit zwischen den Erntezyklen vergeht, wie viel Bäume abgeholzt werden, vom Alter der Bäume und vor allem von der Gesamtfläche, über die die CO2-Flüsse berechnet werden. Insgesamt gesehen sind die meisten gut bewirtschafteten Wälder Netto-Kohlenstoffsenken. Dennoch zeigen neue Daten, dass Wälder, die in den letzten 19 Jahren angelegt wurden, weniger als 5 Prozent der derzeitigen globalen Kohlenstoffsenke des Waldes repräsentieren.

Leider weisen viele wirtschaftlich genutzte Wälder strukturelle Mängel auf, ihnen fehlt die natürliche Artenvielfalt. Zum einen handelt es sich um Monokulturen aus meist standortfremden Baumarten, zum anderen ist der Anteil an Tot-, Biotop- und Altholz gering. Aber besonders Totholz und sogenannte Biotopbäume bieten Tieren und Pflanzen eine wichtige Lebensgrundlage.

Als gesund und zukunftsfähig gilt ein Wald, wenn er über seine natürliche Artenzusammensetzung und Waldstruktur verfügt. So sollte er alle Baumarten aufweisen, junge bis uralte Bäume und vor allem auch Mikrohabitate sowie viel Totholz. Deshalb wird in naturnah bewirtschafteten Wäldern die Holznutzung so geplant, dass nur selektiv Bäume entnommen werden und die Waldstrukturen erhalten bleiben oder sich neu entwickeln können. Soweit möglich wird der natürliche Kreislauf aus Zerstörung und Erneuerung nachgeahmt. Naturnahes Waldmanagement bedeutet darüber hinaus aber auch, dass noch vorhandene Urwälder geschützt werden.

Paradebeispiel Costa Rica - Vorreiter für Klima- und Waldschutz

Costa Ricas Regierung erkannte bereits vor mehr als 50 Jahren, dass die Regenwälder für das Land essenziell sind, und schuf 1960 die ersten Nationalparks. Große Teile des Landes wurden unter Naturschutz gestellt. Dennoch nahm aufgrund der Viehwirtschaft die Waldfläche dramatisch ab. Die Abholzung war 1987 bereits so weit fortgeschritten, dass nur noch 21 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt waren. Die Artenvielfalt des Landes war bedroht. Wenige Jahre später nutzte die Regierung dann eine Krise in der Rinderzucht aus und führte 1996 ein System ein, in dem Bauern dafür bezahlt wurden, Teile ihrer Weideflächen wieder aufzuforsten, Wälder zu schützen und Bäume zu pflanzen. Für die Finanzierung richtete die Regierung den Waldfonds „Fonafifo“ ein, der unter anderem mit Abgaben auf Benzin gespeist wurde. Mit Erfolg: Heute sind mehr als die Hälfte Costa Ricas mit Regenwald bedeckt und knapp 30 Prozent der Landesfläche stehen unter Naturschutz.

BaumInvest - naturnah bewirtschafteter Dauerwald und Artenschutz

Eines der Pionierunternehmen bei der Aufforstung der Regenwälder in Costa Rica ist die 2007 gegründete BaumInvest-Gruppe. Sie begann mit der Aufforstung brachliegender Weideflächen im Landesinneren mit heimischen Edelhölzern. Mittlerweile werden ca. 3.500 Hektar Land betreut, das auf sieben Standorte in Costa Rica verteilt ist. Davon sind bereits 1.280 Hektar zur nachhaltigen Produktion von tropischem Wertholz aufgeforstet worden, weitere 1.100 Hektar werden aktuell im Rahmen eines CO2-Unternehmenswaldes mit Mischwald aufgeforstet und etwa 500 Hektar sind reine Naturschutzgebiete. Kern der Unternehmensstrategie ist das kontinuierliche Aufforsten der bewirtschafteten Flächen mit einheimischen Baumarten nach dem eigens entwickelten nachhaltigen Aufforstungskonzept und die Ausweitung der Naturwaldflächen.

Um das zu erreichen wird auf ehemaligem, teils degradiertem Weideland die natürliche Entwicklung eines Mischwaldes nachgeahmt. Je nach Standort wird eine Auswahl aus 17 verschiedenen, überwiegend heimischen Baumarten angepflanzt, die zum Teil bereits auf der Roten Liste stehen. In über 40 verschiedenen Pflanzvarianten werden schnellwachsende, schattenspendende Pionierbaumarten mit Arten langsameren Wachstums kombiniert. Zusätzlich zu den Bäumen werden weitere stickstoffbindende ein- und mehrjährige Pflanzen als schützende Begleitvegetation gesetzt. Mit diesen naturnah bewirtschafteten Dauerwäldern entsteht ein in sich geschlossenes, einem Regenwald ähnelndes Ökosystem, das sich ohne menschliche Eingriffe und den Einsatz von Pestiziden dauerhaft weiterentwickeln kann. Durch sich selbst regulierende Kreisläufe entsteht eine resiliente Pflanzgemeinschaft, die der Atmosphäre Kohlenstoff entzieht und speichert. Selektive Ernten der unterschiedlichen Arten garantieren sowohl konstante Erträge als auch eine kontinuierliche Waldbedeckung.

BaumInvest achtet darauf, dass neue Aufforstungsflächen an bereits bestehende Naturschutzgebiete angrenzen, damit über die entstehenden Biodiversitätskorridore eine Lebensraumerweiterung für viele Pflanzen und Tiere gebildet wird. Innerhalb von nur neun Jahren hat sich so nachweislich die Anzahl der Reptilien- und Amphibienarten von 20 auf 90 erhöht. Auf ehemals ödem Grasland findet man nun Brüllaffen, Tapire und Tukane, und durch das Dickicht streifen sogar wieder Pumas und Jaguare.

CO2-Kompensation - wirtschaftlich interessant, ökologisch und nachhaltig

Zusätzlich möchte BaumInvest einen Beitrag zur CO2-Kompensation leisten und erzeugt und vertreibt hochwertige Gold Standard CO2-Zertifikate. BaumInvest ist das erste Aufforstungsunternehmen weltweit, das sich im Rahmen des neuen „Programme of Activity“ der Gold Standard Foundation für Aufforstungsprojekte zertifizieren ließ.

Unternehmen bietet BaumInvest außerdem die Möglichkeit, einen eigenen Unternehmenswald wachsen zu lassen, um ihre betrieblichen CO2-Emissionen zu kompensieren und ihre Produkte in die „Klimaneutralität“ zu führen. BaumInvest sucht dafür geeignete Flächen und forstet auf ihnen einen Naturwald mit heimischen tropischen Mischbaumarten auf. Lokale Forst-Ranger sorgen dafür, dass keine Bäume illegal gerodet werden oder die zurückgekehrte Tierwelt Wilderern zum Opfer fällt. Diese Kompensationswälder tragen neben der Kohlenstoffbindung zur Erhaltung und Erhöhung der Artenvielfalt, der Reaktivierung des Bodenlebens und der Speicherung von Wasser bei. Außerdem werden langfristige Arbeitsplätze geschaffen.

Fazit

Naturnahe Wiederaufforstung ist eine nachhaltige Methode mit hohem sozialem Mehrwert, um der Atmosphäre aktiv CO2 zu entziehen und dem Klimawandel entgegenzuwirken. Aufforstungsprojekte sollten bestehende Ökosysteme schützen, neue gesunde Ökosysteme gestalten und sich nachweislich positiv auf die Biodiversität auswirken. Nachhaltige Aufforstung ist eine langfristige Klimaschutzmaßnahme, die ausreichend Zeit und Expertise benötigt.

Quellen: BaumInvest, BMUV, Greenpeace, kontrast.at, NABU, WWF 

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