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Rebellion mit Mini-Solaranlagen Mieter dürfen Balkonkraftwerke anschließen

Sogenannte Balkonkraftwerke, auch Mini-Solaranlagen, steckbare Solargeräte oder Plug-In-Solargeräte genannt, sorgen für Unmut bei Netzbetreibern. Denn diese ermöglichen Mietern, ihren eigenen Strom zu produzieren und so ihre Stromrechnung mit einfachen Mitteln zu senken. Oft wird versucht, die "Solarrebellen" mit bürokratischen Hürden und rechtlicher Verunsicherung von der Installation solcher Mini-Solaranlagen abzuhalten. Während Netzbetreiber fest installierte Solaranlagen aufgrund eindeutiger Gesetzeslage dulden müssen, nutzen sie bei Mini-Solaranlagen die teilweise noch lückenhafte Gesetzgebung zur Blockade. Dahinter stehen rein wirtschaftliche Interessen: Netzbetreiber werden mit einem Netzentgelt pro kWh Strombezug vergütet, und die kleinen Balkonkraftwerke reduzieren diesen Strombezug. 

Neue Norm bringt Sicherheit für Verbraucher

Im Herbst 2017 wurde mit der DIN VDE 0100-551 eine technisch überholte Norm für steckbare Solargeräte überarbeitet und damit endlich Sicherheit für Verbraucher geschaffen. Seitdem dürfen die Balkonkraftwerke auch vom Laien in jedem Stromkreis normgerecht angeschlossen werden. Damit können Mieter die Energiewende in Deutschland nun aktiv unterstützen - ein Durchbruch für die demokratische, dezentrale Energieversorgung in Deutschland. 

„Das ist ein längst überfälliger Durchbruch für die Solarenergie in deutschen Städten“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy. „Die Einigung macht den Weg frei für die massenhafte Nutzung solcher kleinen PV-Anlagen, die Mieter von nun an problemlos auf ihrem Balkon anschließen und damit eigenen Solarstrom ernten können.“

DGS schafft Standard für sicheren Betrieb 

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) hat auf Basis umfangreicher Sicherheitsanalysen einen Standard erarbeitet, der den sicheren Betrieb von steckbaren Wechselstrom-Solarmodulen in normalen Haushaltsstromkreisen ermöglicht (DGS Sicherheitsstandard für steckbare Stromerzeugungsgeräte DGS 0001:2017-08). In jedem Haushalt mit Sicherungsautomaten ist es möglich, ohne Sicherheitsbedenken bis zu 2,6 Ampere (entspricht ca. 630 Wp) mit steckbaren Solargeräten einzuspeisen. Die Photovoltaik-Module können direkt an den Haushaltsstromkreis angeschlossen werden. 

"Bis zum Inkrafttreten der Produktnorm voraussichtlich 2019 können sich Verbraucher und Hersteller am Sicherheitsstandard für steckbare Stromerzeugungsgeräte orientieren, den die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie veröffentlicht hat", so Marcus Vietzke, Koordinator der DGS-Arbeitsgruppe zu Plug-In-Solargeräten.

Die DGS fordert außerdem eine Bagatellgrenze für den Anschluss von steckbaren Solargeräten durch den Nutzer, vereinfachte Meldepflichten für Geräte bis 800 Watt, eine rationale Risikowahrnehmung wie in der Schweiz, den Niederlanden und Österreich sowie ein klares Bekenntnis der Netzbetreiber und der Politik zur dezentralen Stromerzeugung.

Gute Beispiele: Niederlande, Österreich, Schweiz und Portugal

Während in Deutschland noch um eine Bagatellgrenze und vereinfachte Meldepflichten gerungen wird, haben die Niederlande eine Bagatellgrenze von 500 W/2,25 A für die Einspeisung von Solarstrom in Endstromkreise getestet. Zweihunderttausend Niederländer haben kleine Anlagen installiert, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen ist. Auch in Österreich, in der Schweiz und in Portugal gibt es bereits vereinfachte Regelungen für die Einspeisung aus kleinen, dezentralen Anlagen.

Mini-Solaranlagen können Großes bewirken 

Auch wenn die einzelnen steckbaren Solargeräte nur geringe Strommengen erzeugen, haben sie durchaus eine große politische Bedeutung. Sie ermöglichen nämlich die Ausweitung der Bürgerenergie auf die bisher gezwungenermaßen passiven Stromkunden, die nun nicht länger jede Preissteigerung hinnehmen müssen. Und: Mini-Solaranlagen entziehen sich der Kontrolle der Netzbetreiber. Das ist vor dem Hintergrund der Digitalisierung, also der Steuerung von Netzen und Verbrauchern, ein wichtiger Faktor im Kampf gegen deren Monopolstellung

"Vor allem Stadtbewohner, die selbst bisher aus eigener Kraft kaum direkt zur Energiewende beitragen konnten, können jetzt aktiv werden. Je mehr Nutzer, desto größer der Effekt", erklärt Michael Friedrich, Pressesprecher von Greenpeace Energy in Hamburg.

 Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS), GREENPEACE Energy