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Energieeffizienz - Zweite Säule der Energiewende Mit weniger Energie mehr leisten

Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien bildet die Energieeffizienz die zweite Säule der Energiewende. Sie ist die sauberste, wirtschaftlichste und sicherste Ressource und außerdem sofort verfügbar. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht in der Energieeffizienz sogar „den mit großem Abstand stärksten Hebel zur CO2-Vermeidung“ - noch vor der Ablösung fossiler durch erneuerbare Energien. Der produktivere Umgang mit Energie könnte etwa zu einem Drittel dazu beitragen, die globale Erderwärmung unter der 2 °C-Marke zu halten. Investitionen in Energieeffizienz lassen sich in vielen Bereichen durch die eingesparten Energiekosten finanzieren und stärken die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt.

Die Energieeffizienz ist ein Maß für den Verbrauch von Energie um einen bestimmten Nutzen zu erzielen: Je weniger Strom beispielsweise ein Kühlschrank verbraucht, desto besser ist seine Energieeffizienz. Die Steigerung der Energieeffizienz ist daher eine wirksame Methode zur Energieeinsparung, auch bei steigendem Energiebedarf.

Energieeinsparmöglichkeiten in Privathaushalten: simpel, aber effektiv

Am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland haben die Privathaushalte einen in etwa so großen Anteil wie die Industrie. Rund 35 % der Energie wird allein im Gebäudebereich für Heizung und warmes Wasser verbraucht. Der Anteil ist vor allem wegen veralteter Heizanlagen und schlechter Dämmung so hoch. Eine gemeinsame Studie von Öko-Institut und Fraunhofer-Institut schätzt, dass 60 % der verbrauchten Energie eingespart werden könnten, wenn ältere Häuser auf den Standard von Neubauten gebracht würden. Mit neuen Heizkesseln könnte beispielsweise die eingesetzte Energie um ein Drittel besser genutzt werden.

Weitere Energieeinsparmöglichkeiten finden sich vor allem im Bereich des Stromverbrauchs. Bei den privaten Haushalten liegt das jährliche Einsparpotenzial durch moderne Haushaltsgeräte und effiziente Beleuchtung bei etwa 1.500 kWh pro Haushalt, das sind mehr als 350 Euro der jährlichen Stromkosten. So verbrauchen Elektrogeräte heute ca. 60 % weniger Strom als noch vor 10 Jahren. Allein durch den Austausch herkömmlicher Leuchtmittel durch hocheffiziente Beleuchtungstechniken (z.B. LED-Lampen) könnte eine Reduktion der Stromkosten um 25 % erreicht werden. 

Energieeffizienz in Unternehmen: Beleuchtung mit größtem Einsparpotenzial 

Auch in der Industrie lässt sich in kaum einem anderen Bereich so schnell und einfach Energie sparen wie bei der Beleuchtung. Dort ergriffene Maßnahmen haben mit 30 % bisher am häufigsten zu den größten relativen Einsparungen geführt. Dass bisher noch nicht alle Unternehmen in Deutschland Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt haben, liegt laut Prof. Alexander Sauer, Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart, neben hohen Investitionskosten oft auch an fehlenden Ressourcen.

„Obwohl Unternehmen die Bedeutung der Energieeffizienz konstant hoch einschätzen, setzen sie deutlich weniger Energieeffizienz-Maßnahmen um. Der Grund könnte sein, dass einfache Maßnahmen häufig bereits umgesetzt sind und für die schnelle Umsetzung komplexerer Maßnahmen die Ressourcen fehlen“, so Prof. Sauer zu Beginn des Jahres.

Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen: überwiegend mit Eigenkapital

Inzwischen hat sich der Energieeffizienz-Index, ein Maß für die Bereitschaft von Unternehmen zur Investition in Energieeffizienzmaßnahmen, wieder leicht erholt. Hierfür werden vom EEP halbjährlich über 1000 Unternehmen zu ihren Aktivitäten im Bereich Energieeffizienz befragt. Die geplanten Investitionen steigen wieder, allerdings geben 70 % der Befragten an, diese mit Eigenkapital zu finanzieren, 17% über einen Kredit. Nur jedes vierte Unternehmen hat laut EEP bisher Fördermittel zur Erhöhung der Energieeffizienz in Anspruch genommen - meist aufgrund der komplizierten Beantragung. Nur 9 % bzw. 8 % finanzieren ihre Maßnahmen über Leasing oder Contracting , nur 6 % über einen Mietkauf.

„Alternative Methoden der Finanzierung sind weitgehend unbekannt und werden praktisch nicht genutzt“, so Prof. Sauer, „die Message scheint hier noch nicht wirklich anzukommen.“

Einsparmöglichkeiten in der industriellen Produktion: versteckte Energie-Potenziale nutzbar machen

Ein Projekt der TU Darmstadt, das nach fünf Jahren Forschung und zwei Jahren Betrieb nun erfolgreich abgeschlossen wurde, zeigt, dass sich durch geschickte Vernetzung von Anlagen und Industriegebäuden in der industriellen Produktion bis zu 40 % Energie sparen lassen.

In der Modellfabrik des ETA (Energieeffizienz, Technologie und Anwendungszentrum) konnte durch intelligente Vernetzung einer innovativen Gebäudehülle und einer im Maschinenbau typischen Produktionsprozesskette deutlich mehr Energie eingespart werden als das möglich wäre, wenn alle Komponenten für sich energetisch optimiert worden wären. Maschinen und Gebäude arbeiteten zusammen. So wurde zum Beispiel die Abwärme der Anlagen genutzt, um andere Anlagen oder das Gebäude zu beheizen. Die neu gebaute Fabrik wurde zum „Forschungsgroßgerät“. Das ETA-Projekt hat gezeigt, dass mit einer nach ETA-Kriterien neu aufgebauten Fabrik ein marktfähiges, wirtschaftlich realisierbares Energieeinsparpotenzial von 40 % gegenüber einer konventionellen Produktionsstätte besteht.

Professor Eberhard Abele, Leiter des federführenden Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen der TU Darmstadt resümiert: „Energieeffizienz in der Industrie hat weiterhin ein beachtliches Potenzial, wenn es gelingt, die einzelnen energieführenden Bausteine in einem Produktionswerk zu verknüpfen. Mit dem Projekt ,ETA-Fabrik‘ hat die TU Darmstadt mit ihren 36 Partnern zahlreiche Innovationen realisiert, um diese Potenziale zu eröffnen. Wir haben hier gezeigt: Der systemorientierte Ansatz weist in die Zukunft.“

Denn auch bereits bestehende Betriebe können von diesem unter Praxisbedingungen getesteten systemorientierten Ansatz profitieren. Es können z.B. Stromeinsparpotenziale aufgezeigt oder Abwärmequellen identifiziert werden, die zur Beheizung von Produktionsflächen genutzt werden können.

Energeieffizienz: große Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft

Bei der Diskussion über den richtigen Weg zum Erreichen der sog. 20-20-20-Ziele (bis zum Jahr 2020 Reduzierung der Treibhausgase um 20 %, Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien auf 20 % und Steigerung der Energieeffizienz um 20 %) wird zunehmend die Notwendigkeit erkannt, diese zentralen Bausteine der Energiewende in einer integrierten Gesamtstrategie zu vereinen. Dazu gehört neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und der dafür erforderlichen  Transport- und Speicherinfrastruktur vor allem die Steigerung der Energieeffizienz.

Energieeffizienz ist nicht nur eine tragende Säule der Energiewende, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft von immenser Bedeutung.  Investitionen in Energieeffizienz werden in Deutschland getätigt, sie reduzieren sowohl Energiekosten als auch Kapitalabflüsse in Exportländer fossiler Energieträger. Darüber hinaus stärken Investitionen in Energieeffizienz  die Vorreiterrolle deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt und festigen Deutschlands Bedeutung als Wirtschaftsstandort im internationalen Wettbewerb. 

Quellen: Energieeffizienz als Säule der Energiewende (Energiewirtschaftliche Tagesfragen); Versteckte Energie-Potenziale nutzbar gemacht - Projekt „ETA-Fabrik abgeschlossen (Universität Darmstadt); Energieeffizienz-Index bricht ein, Energieeffizienz-Index EEI erholt sich (Universität Stuttgart)