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Solarstrom europaweit auf dem VormarschStrompreise entkoppeln sich weitgehend von Gaspreisen

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland (dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt) lag im ersten Halbjahr 2026 bei 61,8 Prozent. Die Erzeugung aus Photovoltaik erreichte mit 43,2 Terawattstunden dabei einen neuen Rekord. Die Erneuerbaren sorgten dafür, dass sich der Strompreis im Frühjahr vom gestiegenen Gaspreis weitgehend entkoppeln konnte. Das geht aus einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE auf Basis der Datenplattform energy-charts.info hervor.

Als Folge des Iran-Kriegs stieg der Erdgaspreis von Februar auf März 2026 um 48 Prozent. Damit stiegen die Grenzkosten der Stromerzeugung aus Erdgas, die sich aus den Kosten für Gas und Emissionszertifikate zusammensetzen, um 39 Prozent auf 132,87 Euro pro Megawattstunde. Hätten die Gaskraftwerke nach dem Merit-Order-Prinzip den Strompreis bestimmt, wären die Stromkosten entsprechend deutlich gestiegen. Der Börsenstrompreis sank dagegen nach Kriegsbeginn auf 95,58 Euro pro Megawattstunde, da die erneuerbaren Energien ab März mit ihren günstigen Gestehungskosten die Preise drückten. Im April sank er nochmals deutlich um 27,7 Prozent, während der Erdgaspreis nur um 12,6 Prozent nachgab.

"Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April 76 Prozent höher gewesen", erklärt Energy-Charts-Projektleiter Leonhard Gandhi.

Steigende Erzeugung aus Wind- und Solaranlagen

Im ersten Halbjahr 2026 steigerte die Windkraft ihren Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung auf 30 Prozent, die Photovoltaik auf 19,3 Prozent. Die Netzeinspeisung aus Photovoltaik lag mit 43,2 Terawattstunden um zehn Prozent höher als im Vorjahr und erreichte damit ein Allzeithoch. Auch EU-weit war die Einspeisung aus Photovoltaik auf Rekordniveau und ist seit 2015 um 254 Prozent gestiegen. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung lag mit 61,8 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten Halbjahr 2025 (61,3 Prozent). Der Anteil an der Last (Stromverbrauch und Verluste bei der Stromübertragung) stieg von 55 auf 58,5 Prozent und erreichte damit einen neuen Rekord.

Photovoltaik-Erzeugungsleistung steigt um 7 Gigawatt

Im ersten Halbjahr 2026 wurden 2,1 Gigawattpeak Photovoltaik-Gebäudeanlagen mit einer Leistung bis 30 Kilowattpeak neu installiert. Bei den Gebäudeanlagen im Segment bis 1000 Kilowattpeak kamen 1,1 Gigawattpeak neu hinzu. Freiflächenanlagen trugen mit 3,6 Gigawattpeak am stärksten zum Zubau bei. Nach einer gemeinsamen Analyse von Agora Energiewende und Fraunhofer ISE könnten die derzeit diskutierten Änderungen im Rahmen der EEG-Novelle aber dazu führen, dass sich insbesondere kleinere PV-Dachanlagen unter den heutigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich schlechter darstellen. Dies könnte Anreize schaffen, Anlagen kleiner auszulegen oder verfügbare Dachflächen nicht vollständig zu belegen.

Deutlicher Mehrbedarf an Stromspeichern

Die starke Erzeugung von Wind und Photovoltaik führt zu immer mehr Stunden, an denen der Day-Ahead Börsenstrompreis negativ ist. Wenn Anlagen in der Direktvermarktung keine Förderung bei negativen Börsenstrompreisen erhalten, drosseln sie bei Preisen knapp unter oder bei null Euro ihre Leistung. Dies unterstreicht den Bedarf an untertägiger Speicherung bei Erzeugungsspitzen. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden zwar bereits mehr große Batteriespeicher in Betrieb genommen als im gesamten Vorjahr, womit die Kapazität der Stromspeicher von 25,4 auf 29,6 Gigawattstunden gestiegen ist. Es verbleibt aber dennoch eine deutliche "Speicherlücke", um eine Verschiebung von Überschussstrom in die Stunden schwacher Erzeugung zu ermöglichen. Der Ausbau von Batteriespeichern für die untertägige Speicherung könnte negative Börsenstrompreise tagsüber und Preispeaks in den Abendstunden verringern. So hatte die Hitzeperiode im Juni, die zu erhöhtem Strombedarf für Kühlung bei gleichzeitig gedrosselter Leistung von konventionellen Kraftwerken führte, besonders starke Preisausschläge in den Abendstunden zur Folge.

 

Quelle: Presseinformation des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Juli 2026

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